Spotlight: The Monsters Know What They’re Doing

In meiner “Spotlight”-Reihe zeige ich euch Kreative, Ressourcen und Serien aus dem D&D-Kosmos. Der heutige Beitrag dreht sich ganz um den Blog “The Monsters Know What They’re Doing”.

Da es heute um Monster geht, ist dieser Beitrag besonders für angehende Spielleiter interessant, aber wer auch als Spieler bis zum Ende durchhält für den gibt es eine sehr spannende Empfehlung.

Viele Anfänger-Spielleiter kennen das Problem: Das große Monster wird den Erwartungen überhaupt nicht gerecht. Der Betrachter hat nach zwei Runden die Hälfte seiner Augenstiele verloren, oder der ausgewachsene Drache schafft es nach wenigen Zügen nicht mehr in die Luft. Und das obwohl es für die Spieler eigentlich ein schwerer Kampf werden sollte. Sicher fühlen die sich trotzdem gut, immerhin gibt es ja einen Haufen Erfahrung und Schätze, aber mit etwas mehr taktischem Geschick hätte auch der Spielleiter seinen Spaß gehabt und den Anderen gleich noch ein spannenderes Spielerlebnis geboten.

Um genau an dieser Stelle auszuhelfen hat Keith Ammann seinen Blog “The Monsters Know What They’re Doing” ins Leben gerufen. Mit einfachen Tricks zeigt er, wie die vielen Zahlen und Statistiken des Monsterhandbuchs am Tisch zum Leben erwachen können. Dabei geht es ihm jedoch nicht um abstrakte Taktiken und ihr müsst auch nicht “Die Kunst des Krieges“(*) lesen, um ihn zu verstehen. Stattdessen handelt Ammann nach einem einfachen Grundgedanken: Jede Kreatur, die sich an das Leben in einer bestimmten Umgebung angepasst hat, weiß instinktiv, wie sie am Besten ihrer Anpassungen gebraucht. Das heißt, eine Kreatur kann und wird ihre Fähigkeiten und die Begebenheiten um sie herum so gut sie es kann zu ihrem Vorteil nutzen. Das gilt in D&D besonders, da die meisten Kämpfe dort Kämpfe um Leben und Tod sind. Entweder stirbt das Monster oder die Reise für die Spielercharaktere endet frühzeitig. Das wissen nicht nur die Spieler selber, sondern auch ihre Gegner. Ihren Fähigkeiten entsprechende Kampfstile anzuwenden, macht sie deshalb zu deutlich realistischeren Gegnern, die im Angesicht des Todes um ihr Leben kämpfen und deren Niederlage umso mehr Gewicht hat. Dadurch sorgt Ammann gleichzeitig auch dafür, dass sich besonders die Gegner mit niedrigerem Schwierigkeitsgrad nicht alle gleich anfühlen. Orks, Goblins, Kobolde oder andere humanoide Monster werden sonst schnell zum Kanonenfutter. Mit ein paar Kniffen können sie aber auch zu spannenden Kampfbegegnungen werden.

Der Blog bietet deshalb aufgeteilt nach Kreatur, geordnet in die Monster-Kategorien des Handbuchs (Untote, Humanoide, Tiere, Drachen, etc.), jeweils tiefergehende Analysen der potentiellen Kampfpartner. Besonderes Augenmerk, um das Verhalten des jeweiligen Monsters zu bestimmen, legt Ammann auf zwei Dinge in der Statistik: Die Attributswerte und die Gesinnung. Die Gesinnung kann bereits viel verraten: Im Gegensatz zu Tieren, oder ähnlich unintelligenten Kreaturen, ist dieses Monster geistesgegenwärtig genug um einem moralischen Kodex zu folgen. Welche spezielle Gesinnung es hat, beeinflusst dann ebenfalls das Zusammentreffen mit den Spielern. Ein rechtschaffend guter Engel wird zuallererst immer böse Charaktere angreifen und guten Charakteren nur im äußersten Notfall Schaden zufügen. Ein chaotisch böser Vampir versucht vielleicht die Charaktere einzeln nacheinander auszuschalten, um die Verbliebenen möglichst lange um ihr Leben fürchten zu lassen.

Die Attributswerte bieten den größten Hinweis auf die Taktik der Monster. Ammann geht in der Erläuterung seiner Grundlagen “Why These Tactics?” davon aus, dass bestimmte, hohe Attribute mit bestimmtem Verhalten korrespondieren und dies auch oft durch die ergänzenden Fähigkeiten der Monster komplimentiert wird. Die wichtigen Werte sind dabei Stärke, Geschicklichkeit, Konstitution und Weisheit. Eine Kreatur mit hohem Stärke- und Konstitutionswert sucht oft den Nahkampf, während eine geschickte Kreatur mit niedriger Konstitution dazu neigt, Fallen zu stellen und aus dem Hinterhalt anzugreifen und auch so schnell es geht wieder in vorübergehende Sicherheit verschwindet. Ein Monster mit hohem Weisheitswert weiß welche Ziele sich für seine Angriffe lohnen, aber hat auch einen guten Überlebensinstinkt, weiß also auch, wann es sich zurückziehen muss.

Das Wichtigste, was ich selbst aus Ammanns Blog gelernt habe: Jede Kreatur will zuallererst überleben. Abgesehen von sehr dummen Untoten, wie Zombies oder Skeletten, macht es also gar nichts aus, wenn man sie nicht bis zum bitteren Ende mit voller Kraft kämpfen lässt. Wenn der verwundete Drache verzweifelt abzuheben oder die pfeilgespickte Chimäre im Unterholz verschwinden versucht, macht das den Kampf realistischer und deutlich erinnerungswürdiger für die Spieler, selbst wenn sie ihn auch so gewonnen hätten.

Falls ihr euch jetzt denkt: “Ganz schön unfair, dass ich als Spielleiter mit diesem Blog so einen taktischen Vorsprung habe”, hat Ammann bereits eine Lösung für eure Spieler. Mit “Live to Tell the Tale” hat er ein umfangreiches PDF zusammengestellt, dass jedem taktisch interessierten Spieler das Herz aufgehen lassen wird. Über 77 Seiten verteilt betrachtet er unter anderem Klassenfähigkeiten, positive und negative Kampfeffekte, die Nutzung von Deckung und anderer Umgebung oder optimale Gruppenzusammenstellung um jeder Gruppe das Spiel leichter zu machen. Die aktuell zweite, überarbeitete Edition, die unter anderem auch Xanathar’s Guide to Everything in Betracht zieht, könnt ihr für 10$ hier kaufen. Dabei geht es ihm jedoch nicht um pure Wertoptimierung, tatsächlich ist seine Motivation eher, dass jede Klassen- und Volkskombination funktionieren kann, wenn man denn die richtigen Mittel hat, um den Charakter am Leben zu halten.

Ich hoffe, euch hat dieser Beitrag gefallen und ihr findet “The Monsters Know What They’re Doing” genauso hilfreich wie ich! Falls ja, würde ich mich freuen, wenn ihr den Artikel mit euren Freunden teilt und sie auf den Blog aufmerksam macht. 

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